Offener Brief an unsere Bürger
oder „warum mir NUR Empörung gegen den Strich geht“

Offener Brief an unsere Bürger oder „warum mir NUR Empörung gegen den Strich geht“
Liebe Mitbürger,
erster Reflex auf den offenen Brief von Steffen Senft an Frau Dr. Merkel: Endlich schreibt Ihr mal einer von seiner Enttäuschung (man beachte den Wortstamm: Ent – Täuschung, das Ent(d)e einer Täuschung).
Zweiter Gedanke: Vollinhaltliche Übereinstimmung.
Dritte Erkenntnis: Bei vollem Respekt und großer Wertschätzung für seinen Brief; zunächst mal auch NUR Empörung. Wie viele Briefe, wie viele Stammtischgespräche, wie viel Empörung lässt sich ertragen während man zusieht, wie die Menschen dennoch nicht „aus dem Sattel kommen.“
Man mag von Al Gore und seinem Film „eine unbequeme Wahrheit“ halten was man will aber eins haben er und einige US-Amerikaner uns voraus. Im Abspann des Films (der für sich genommen schon ein Kurzfilm ist) kommen konkrete Handlungsempfehlungen für den Zuschauer. Neben der frei zitierten Aussage: „ Rufen Sie ihre Senatoren an und fordern Sie sie auf, etwas zu ändern“ kommt ein Satz, der der deutschen Mentalität ganz offensichtlich (noch) nicht mit dem gleichen Selbstverständnis innewohnt: “Finden Sie keinen Senator, der sich für Ihre Interessen einsetzt, kandidieren Sie selbst.“
Wow… kandidieren Sie selbst! Als wär`s das Natürlichste auf der Welt und in der Tat. Es ist das Natürlichste auf der Welt.
Einzige Voraussetzung. Der Wunsch, der Wille und die Absicht, Verantwortung zu übernehmen, für die Dinge, die Werte, die einem am Herzen liegen und seinen Beitrag dazu zu leisten, dass sich Diese zum eigenen Wohle und dem Wohle der Mitmenschen in einer Gemeinschaft manifestieren.
Empörung ist wichtig, nur reicht sie eben nicht aus. Jeder Fußballinteressierte, der sich Samstags in Berlin die Hertha anschaut, weiß, was verkehrt läuft, wer der bessere Trainer wäre, wie die Jungs wieder gewinnen würden, etc. Ändern tut das rein gar nichts und es ist zudem auch verdammt einfach, den „Couch-Trainer“ zu geben.
Nicht quatschen: Machen. Das ist das, was ich unter „Cojones“ verstehe und, mit Verlaub, auch das Einzige, was ich mittlerweile noch Ernst nehme.
Nun mag sich nicht jeder dazu berufen fühlen, selbst die Zugmaschine zu geben, wobei es auch hier feine Unterscheide gibt. Sie könnten einen Zug ziehen oder einen Zug (mit-)schieben. Beides durchaus interessante Aufgaben. Das Mindeste jedoch, was ich von einem „sich Empörenden“ erwarten kann, ist, dass er in einen Zug einsteigt und „mit-macht.“
Steffen Senft hat dies nach meinem Kenntnisstand getan, also richte ich die Frage an sie, liebe Mitbürger: In welchen Zug steigen Sie ein?
Den Zug der CDU, in dem schon der christliche Begriff der „Nächstenliebe“ im Kontext z.B. von „Eingliederungsvereinbarungen für Hartz-IVEmpfänger“ de facto kaum noch zu finden ist, diese Partei mithin konsequenterweise das „C“ aus ihrem Namen streichen müsste, so sie ihre Haltung nicht ändert?
Den Zug der SPD, wobei sich das oben Gesagte dort auf den Begriff „sozial“ bezieht, mithin also auch dort das „S“ gestrichen werden müsste, es sei denn man modifiziert die Hartz-Reformen grundsätzlich?
Den Zug der Grünen? Bei der vorletzten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus noch um die Regierungsbeteiligung betrogen, nach der letzten Wahl dann im wahrsten Wortsinne „fundamental“ an Autobahn-Kilometern gescheitert. Da hab zumindest ich so meine Bedenken, ob die großen Themen unserer Zeit so wirklich angepackt und gelöst werden.
Den Zug der Linken? Noch mehr Übernahme von Verantwortung durch den Staat? Wer`s will.
Den Zug der FDP? Wenn „Neoliberalismus“ und „Lobbynähe“ Sie anspricht.
Den Zug der Piraten? Wenn Ihnen Basisdemokratie wichtig ist und Sie ein derzeit nicht vorhandenes Vollprogramm für nicht so wichtig erachten, eine Diskussion zum Verzicht auf die Zweitstimme (Liste) Sie nicht interessiert und Sie die Einführung eines „imperativen Mandats“ ebenfalls für Erstrebenswert halten.
Ich, für meinen Teil, habe mich entschieden (man beachte den Wortstamm: Ent – schieden, das Ent(d)e einer Scheidung = Heirat). Ich möchte „Nächstenliebe“, ich möchte eine „soziale“ Politik, ich möchte nachhaltige, ökologische Lösungen in Regierungsverantwortung, ich möchte liberale Politik im schönsten Wortsinne von Freiheit den ich in der Lage bin zu denken, ich möchte Basisdemokratie und ein Vollprogramm und deshalb:
Ziehe ich den Zug der „ddp“. Als zweite Zugmaschine und vorne am Zug und wiederhole meine Frage an dieser Stelle gerne noch einmal:
„In welchen Zug steigen Sie ein?“
Mit Hochachtung vor dem Amt des Bundeskanzlers / der Bundeskanzlerin
Thomas Meisner
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Kommentare (4)
Mike Stannebein
vielen Dank für den sehr guten und wachrüttelnden Beitrag. Der Zug der ddp ist der richtige Zug in eine gerechte sozialliberale Zukunft. Liebe Mitbürger, lösen Sie auch das Ticket für diesen Zug, wenn Sie sich eine bessere Zukunft wünschen.
Herzliche Grüße,
Mike Stannebein
Steffen Schuetze
Hochachtung vor dem Amt des Bundeskanzlers/der Bundeskanzlerin? Für das Amt als solches Ja. Der falsche König verdient meiner Meinung keine Hochachtung und keinen Respekt. Ich hab ihn nicht gewählt und dessen Politik ist nicht meine!
Kay
Schendel
das geht doch gar nicht ..... grrrr
http://www.youtube.com/watch?v=yDBzJRQLZN8&sns=fb